„Wahrzeichen“ des THG abgerissen

Die Schüler des THG kehren zurück aus dem Online-Unterricht und sehen,… dass sie sich verlaufen haben müssen. Das kann unmöglich ihre Schule sein, der Anbau, die Krabbelkiste fehlt! Naja, kann ja mal passieren, dass man sich verläuft, denken sie und drehen um. Schließlich sind sie ihren Schulweg schon eine ganze Zeit nicht mehr entlanggegangen. Da ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass man vom richtigen Weg abkommt oder in den falschen Bus oder das falsche Auto einsteigt. Dann werfen sie einen Blick auf ihr Handy, GoogleMaps, und es trifft sie eine Erleuchtung, ein Blitzschlag! Sie waren hier doch richtig!

Das Unmögliche, womit kein Mensch oder anderes Lebewesen gerechnet hat, das Unglaubliche ist geschehen! Sie ist weg, einfach weg! Niedergerissen, -getrampelt, dem Erdboden so gut wie gleich gemacht. Nur einzelne, letzte Überreste liegen zwischen Schutt und Asche. Und es lässt sich erkennen: Die Krabbelkiste bestand zum größten Teil aus Presspappe. Fast schon ein wenig wehmütig denken die Schüler des THG zurück an die Zeit, als sie selbst die ausgelatschten Treppenstufen der Krabbelkiste hinaufgerannt sind, um nicht zu spät zu kommen. Als sie sich im Winter, in den letzten Minuten der Pause vor ihrem Eingang gedrängt haben und in ihren hintersten Winkeln Verstecke-Fangen gespielt haben. Sie erinnern sich an das beliebte Kunstprojekt „Zeichnen wir alle die Krabbelkiste, weil sie bald abgerissen wird“, an den Gestank, der immer in der Luft lag, wenn mal wieder jemand vergessen hatte, die Tür zur Jungentoilette zu schließen, an die Fußballabdrücke an der Decke und an das Fluchen der Lehrer, wenn diese feststellen mussten, dass auch der Tageslichtprojektor aus dem Nachbarraum nur noch abstrakte Bilder an die Wand warf. Sie denken, dass der Begriff „Krabbelkiste“ schon ein bisschen merkwürdig ist. Denn, es stimmt schon, dass die Fünft- und Sechstklässlern, die dort überwiegend unterrichtet wurden, nicht unbedingt riesig sind, aber man muss schon ein ziemlich großer Mensch sein, um von so weit oben auf sie herabschauen zu können, um ihre Bewegungen als „krabbelnd“ zu bezeichnen. Sie und die Lehrer haben sich trotzdem so sehr an das Wort gewöhnt, dass er sogar in offiziellen Schreiben der Schulleitung verwendet wird. Trotz seiner Bedeutung, die man als ein wenig beleidigend auffassen könnte, scheint der Begriff Krabbelkiste immer noch treffender zu sein, als das Wort, dass eine Hagener Stadtzeitung verwendet. Denn wer hätte bei dem langsam vergammelnden Gebäude mit der eingeworfenen Fensterscheibe schon an einen Pavillon gedacht? Hätte, denn jetzt ist es weg und am Fuße der Treppen zum THG stehen ein paar äußerst dekorative Container aus grauem Wellblech.

Ewigkeiten stand sie da, die Krabbelkiste, wurde verspottet und gehänselt und dann, als kurz keiner hingeschaut hat, ist sie verschwunden. Tja, weg ist weg, denken die Schüler des THG, maskieren sich und gehen in den Unterricht.